User Research: Mobiles Betriebssytem für ältere Menschen

User Research: Mobiles Betriebssytem für ältere Menschen

Das Smartphone ist heute fest im Alltag integriert. Für die Meisten jungen Leute ist es ein integraler Bestandteil des Lebens und kaum mehr wegzudenken. Während wir immer neue Innovationen und Features verwenden, bedeutet jede Neuerung für viele ältere Mitbürger eine weitere, große Hürde im Schritt zur Digitalisierung. Viele Senioren haben es schwer, dem Wandel hin zu mobilen Endgeräten zu folgen, sind hierzu allerdings immer häufiger gezwungen, da einige Dienste nur noch digital erreicht oder verwaltet werden können.

Im Fach User Research wollten wir uns deshalb mit dem Thema befassen, welche Anforderungen ein Betriebssystem für mobile Endgeräte haben muss, wenn der Fokus nicht auf der breiten Masse sondern auf älteren Menschen liegt.

Hierzu hatten wir engen Kontakt mit einem Seniorenwohnheim, um unsere Ideen zu überprüfen und neuen Input direkt von unserer Nutzergruppe abzuholen.



Marktanalyse

Um einen Überblick über die aktuell angebotenen Lösungen zu bekommen, betrieben wir zu aller erst eine Marktanalyse und sortieren bestehende Produkte in Kategorien ein und analysierten sie nach ihrer Benutzerfreundlichkeit und der Nutzerzentrierten Gestaltung. Viele der Lösungen waren Launcher für Android Mobilgeräte, welche den Homescreen der Smartphones und Tablets veränderten. Der Hauptunterschied hierbei lag allerdings sehr oft bei einer einfachen Reduktion der Funktionalität und der Vergrößerung des User Interfaces und der Schrift. Ein großes Problem war, dass sobald eine Drittanbieter-App gestartet wurde, das User Interface wieder in den Original-Zustand zurück "sprang". Dies war sehr verwirrend für unsere Nutzergruppe.



Relevanz im Bereich der Demenzvorbeugung

Schon heute werden spezielle Applikationen für Tablets geschrieben, die bei regelmäßiger Anwendung Demenz vorbeugen sollen. Hierbei werden vor allem gezielt das Erinnerungsvermögen und das logische Denken versucht zu trainieren. Das Problem ist, dass die Senioren nur schlecht selbst mit dem Programm zurecht kommen und so die Hürde groß ist, ein eigenes Tablet zu besitzen. Die Betreuer müssen hier helfen, was es wiederum verhindert, dass mehrere Senioren gleichzeitig die Anwendung nutzen können.



Die Angst vor dem Neuen

Ein weiterer großer Punkt, den wir feststellten, war dass die Senioren oft Angst hatten, etwas kaputt zu machen. Da sie meist keine Ahnung von der Funktionalität und der Auswirkung der Aktionen hatten, mieden sie es, ohne vorherige Absprache mit dem Betreuer / der Betreuerin die mobilen Geräte zu bedienen. Der Gedanke, dass das bloße Antippen einer Glasscheibe eine Auswirkung auf der anderen Seite der Welt haben könnte, war ihnen suspekt.



Zurück zum Skeuomorphismus

Als Skeuomorphismus bezeichnet man eine Interface Gestaltung, welche reale Gegenstände versucht zu imitieren. Bis zur Veröffentlichung von Apples iOS 7 war ein Großteil der Apps auf Apples mobilem Betriebssystem in diesem Stil gehalten. Die E-Books wurden in einem hölzernen dreidimensionalen Bücherregal aufbewahrt, der Notizblock mit Leder umrahmt und die Sprachaufnahme erfolgte in ein silber glänzendes Studio-Mikrofon. Die Intention dahinter war die Akzeptanz der Nutzer zu erhöhen. Die Eingabe durch einen Touchscreen war noch relativ neu und die Aufgabe der Designer war es, vertraute Elemente auf dem Bildschirm wiederzugeben, damit Interaktionsmuster intuitiv erlernt wurden. Der Umstieg zu Flat Design erfolgte, nachdem die breite Masse diese Bedienung akzeptierte und der Fokus mehr auf der eigentlichen Informationshierarchie lag. Genau diesen Lernprozess machte allerdings ein Großteil der Senioren nicht mit. Somit sind sie nun in der Welt von abstrahierten Darstellungen gelandet, ohne eine Einführung bekommen zu haben, wie sie damit umzugehen haben.