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Da uns nicht klar war, wie weit der Begriff der Präsentation reicht, recherchierten wir zunächst in diese Richtung. Wir fanden heraus, dass uns im Laufe eines Tages unzählig viele Dinge präsentiert werden: Die Nachrichten in der Zeitung, Vorträge in der Universität, das Essen auf dem Teller eines Restaurants. Denn die Definition von Präsentation ist; die Aufbereitung, Darstellung und Weitergabe verarbeiteter Information.

Recherche

In unserer Recherche fanden wir heraus, dass eine Gerichtsakte im Prinzip nichts Anderes als die Sammlung aller Dokumente einer Angelegenheit ist. Basisinformationen, wie etwa der Name des Gerichts, das Aktenzeichen, und die Namen der Beteiligten, sind auf dem Aktenumschlag bzw. dem -vorblatt zu erkennen. Die Reihenfolge der Dokumente wird durch den Eingangszeitpunkt (vorne nach hinten) festgelegt. Eingehende Dokumente und Schriftgüter sind immer sofort einzuheften. Alle Angaben sind auf dem aktuellen Stand zu halten und für alle Parteien zur Einsicht verfügbar.

Auffällig war, dass Nicht-Juristen als Angeklagte häufig nicht ihre Rechte kannten und ihnen die Gesetzeslage, sowie der Ablauf der Verhandlung meist unbekannt war. Sie sind auf das Mitgefühl und die Erklärungen des Richters angewiesen, der jedoch nicht dazu verpflichtet ist, Auskunft zu geben.

Interessant fanden wir die Aufgabe der Protokollführung: Ein Protokollant tippte manchmal den kompletten Ablauf eines Prozesses auf einem Computer mit. Dies musste immer in schneller Geschwindigkeit passieren. Aus diesem Grund, das fanden wir in einer der Befragungen heraus, seien manchmal Fehler im Protokoll zu finden. War kein Protokollant anwesend, insbesondere bei kleineren Fällen, nahm der Richter das Urteil mit einem Diktiergerät auf.

Wir fassten unsere Erkenntnisse für das Konzept zur eAkte in einer Art Leitbild zusammen. Dieses wollten wir als Basis für die Konzeptionsphase nutzen, um unsere Lösungen später immer wieder zu prüfen. 


Ideation

Für die eAkte sammelten wir allerlei Funktionsideen. Wir ließen uns von bestehenden Anwendungen inspirieren und analysierten in einer kleinen Programmrecherche interessante und spannende Funktionen wie die Markierung von Favoriten, Kalenderansichten, Schwärzen von Dokumenten, usw.

Auch für die Navigation ließen wir uns unterschiedliche Möglichkeiten einfallen. Dafür teilten wir unsere Gruppe auf und skizzierten etwa drei bis vier komplett verschiedene Navigationsmöglichkeiten in Einzelarbeit auf.

Prototyping

Einen ersten Ansatz, der wir verfolgten wir in einem Entwurf, bei dem das Dokument nicht im Mittelpunkt des Interfaces steht. In einer Navigation von links nach rechts kann der Nutzer zusätzliche Informationen öffnen und aufeinander aufbauende Spalten aufklappen. Auf der linken Seite können alle Akten und Fälle des Tages durchsucht werden. Inaktive Akten werden mit den wichtigsten Randinformationen beschriftet. Wird eine Akte ausgewählt, wie in dem Beispiel, folgen zusätzliche Informationen und die zweite Spalte mit Notizen, Korrespondenz und Dokumentensammlung erscheint. Wählt man nun Notizen aus, kann man alle Notizen zur Angelegenheit durchlesen. Ein zurückhaltendes Menü über jeder Spalte ermöglicht es dem Nutzer Inhalte hinzuzufügen oder zu durchsuchen.

Wir überlegten uns, welche anderen Papiermetaphern wir in die Screens einfügen können, um der Richterin die Umgewöhnung zu erleichtern. Wir entschieden, inspiriert von der Richterin, mit unterschiedlichen Stapeln und Kategorien zu arbeiten. In einem der Entwürfe entschieden wir, eigene Kategorien aufzustellen, die wir für sinnvoll hielten: Heutige Fälle, Aufgaben, in Bearbeitung und Abgeschlossen. Die Fälle werden in jeder der Kategorien in chronologischer Reihenfolge und mit einer kurzen Beschreibung zur jeweiligen Angelegenheit inklusive Aktenzeichen, Art der Verhandlung und beteiligten Personen aufgeführt. Aufgaben, deren Frist sehr bald abläuft, werden farblich hervorgehoben, um dem Nutzer eine schnelle Bearbeitungsnot zu signalisieren. Neuigkeiten und Benachrichtigungen können bei Auswahl des Glockenicons geöffnet werden. Wir probierten unterschiedliche Platzierungen für die Suche, Benachrichtigungen und den Kalender, sowie verschiedene Icons aus, um die beste Lösung zu finden.

Wird eine Akte geöffnet, erscheint die Ansicht der Dokumente. Dabei haben wir uns stark an den Aufbau der realen Akte orientiert. Mithilfe von Papiermetaphern haben wie Registerkarten und einem Aktenumschlag sind wir auf die Vorliebe für Papier eingegangen und die Umgewöhnung erleichtert. Eine Toolbar auf der rechten unteren Seite stellt Funktionen wie das Einfügen von Notizen, eine Suche und unterschiedliche Filter zur Verfügung. In den oberen Ecken kann über Icons zwischen verschiedenen Ansichten gewechselt werden.

Auch den Ablauflaufplan, den sich unsere Ansprechpartnerin vor jeder Verhandlung als "Spickzettel" vorbereitet, haben wir in unseren finalen Screens als weitere Ansichtsmöglichkeit integriert. So kann sie in einer Verhandlung schnell zwischen Akte und Ablauf wechseln und kann diese klar trennen. Für diese Lösung haben wir uns aufgrund der besseren Übersichtlichkeit entschieden.